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Hallo,
wer hat Erfahrung beim Gewindescheiden kleiner Gewinde (M3/M4) in POM und kennt Tricks um den Span am Ende des Gewindes zu brechen. Das manuelle entgraten/entfernen dauert einfach zu lange.....
Jetzt mal meine Frage, wie ihr mit dem Kernlochbohrer den Span brechen wollt?
Erst Gewinde in einem Rutsch durch, dann hinterher bohren?
Ich frage, weil ich das vorher noch nie gesehen oder gemacht habe.
Gruß Chris
nun gut, spanbrechen ist vielleicht etwas falsch ausgedrückt. das problem bei uns ist, dass wir mit einem kerlochbohrer den span am bohrungsgrund nicht abscheren. nach dem rausfahren ist zwar ein gewinde vorhanden, aber die "Spanstränge" sitzen unten in der bohrung fest, müssen also mit einer pinzette "rausgerissen" werden.
mit einem durchgangslochgewindebohrer ist das nicht der fall....
nun gut, spanbrechen ist vielleicht etwas falsch ausgedrückt. das problem bei uns ist, dass wir mit einem kerlochbohrer den span am bohrungsgrund nicht abscheren. nach dem rausfahren ist zwar ein gewinde vorhanden, aber die "Spanstränge" sitzen unten in der bohrung fest, müssen also mit einer pinzette "rausgerissen" werden.
mit einem durchgangslochgewindebohrer ist das nicht der fall....
Zuerst einmal sollte man immer wissen, was man zerpant. POM ist thermoplastisch. Es beginnt bei ca. 180° zu schmelzen. Beim Bohren entsteht durch Zerspanung und Reibung am Bohrungsrand VIEL Hitze. Das gilt auch beim Gewindebohren, was man leicht feststellen kann, wenn man mal den Gewindebohrer unmittelbar nach dem Schnitt berührt. Wenn sich die Haut am Finger weiß verfärbt und ein unagenehmer Geruch nach verbrannter Haut ausbreitet, gibt das einen ungefären Eindruck von Hitze.(Über 200°C)
ZITAT
das problem bei uns ist, dass wir mit einem kerlochbohrer den span am bohrungsgrund nicht abscheren.
Tip: Freischneiden (kurze Verweilzeit am Bohrungsgrund) Für Sackloch-Gewinde gibt es, meist rechtsgedrallte "Sackloch-Gewindebohrer", die den Span aus der Bohrung leiten, was durchaus Sinn macht. Andernfalls würde es ja einen Spanstau am Bohrungsgrund geben, der zum Bohrerbruch führen würde. Dieser Span wird, wenn der Span ausreichend hart ist, vom Gewindebohrer beim Rücklauf aus der Bohrung abgerissen. Vom Gewindebohrer kann dieser Span beim Rücklauf nicht geschert werden. Hier ist das eigentliche Problem. - Der Span muß eine gewisse Härte aufweisen bzw. spröde sein. Bei Schnitt-Temperaturen über 160° schmilzt POM. Der Span ist also halbflüsig und erstarrt in der neuen Form mit einem stabilen Gefüge zu einem zähen Strang, der eben nicht abgerissen werden kann. Um das zu vermeiden, muß die Temperatur also möglichst deutlich unter 160°C gehalten werden. Die Reibung reduzieren! Je weniger Reibung, desto weniger Temperatur. Also Schnittgeschwindigkeit runter. Keine Beschichtung auf der Schneide, die die Schärfe der Schneide beeinträchtigt und damit für mehr Reibung sorgt. Gute Kühlung bei gleichzeitiger Schmierung (reduziert die Reibung). Also möglichst viel Emulsion (KSS) effektiv zuführen. Idealerweise mit Innenkühlung.
"Versuch macht kluch!"
Der Beitrag wurde von hapo bearbeitet: 15.08.2011, 15:39 Uhr
Zuerst einmal sollte man immer wissen, was man zerpant. POM ist thermoplastisch. Es beginnt bei ca. 180° zu schmelzen. Beim Bohren entsteht durch Zerspanung und Reibung am Bohrungsrand VIEL Hitze. Das gilt auch beim Gewindebohren, was man leicht feststellen kann, wenn man mal den Gewindebohrer unmittelbar nach dem Schnitt berührt. Wenn sich die Haut am Finger weiß verfärbt und ein unagenehmer Geruch nach verbrannter Haut ausbreitet, gibt das einen ungefären Eindruck von Hitze.(Über 200°C)
Tip: Freischneiden (kurze Verweilzeit am Bohrungsgrund) Für Sackloch-Gewinde gibt es, meist rechtsgedrallte "Sackloch-Gewindebohrer", die den Span aus der Bohrung leiten, was durchaus Sinn macht. Andernfalls würde es ja einen Spanstau am Bohrungsgrund geben, der zum Bohrerbruch führen würde. Dieser Span wird, wenn der Span ausreichend hart ist, vom Gewindebohrer beim Rücklauf aus der Bohrung abgerissen. Vom Gewindebohrer kann dieser Span beim Rücklauf nicht geschert werden. Hier ist das eigentliche Problem. - Der Span muß eine gewisse Härte aufweisen bzw. spröde sein. Bei Schnitt-Temperaturen über 160° schmilzt POM. Der Span ist also halbflüsig und erstarrt in der neuen Form mit einem stabilen Gefüge zu einem zähen Strang, der eben nicht abgerissen werden kann. Um das zu vermeiden, muß die Temperatur also möglichst deutlich unter 160°C gehalten werden. Die Reibung reduzieren! Je weniger Reibung, desto weniger Temperatur. Also Schnittgeschwindigkeit runter. Keine Beschichtung auf der Schneide, die die Schärfe der Schneide beeinträchtigt und damit für mehr Reibung sorgt. Gute Kühlung bei gleichzeitiger Schmierung (reduziert die Reibung). Also möglichst viel Emulsion (KSS) effektiv zuführen. Idealerweise mit Innenkühlung.
"Versuch macht kluch!"
1. Verweilzeit bringt nix, zumindest funzt es bei uns nicht. 2. Sackloch-Gewindebohrer --> wurde versucht, aber die funzen bei pom nicht wirklich 3. Schnittgeschwindigkeit noch weiter runter --> dann kann ich es gleich per Hand machen 4. Sackloch-Gewindebohrer ist unbeschichtet mit polierter Spannut 5. Wir reden von POM --> da is nix mit KSS (quillt unter Umständen zu stark auf)
Aber trotzdem Danke für die kleine Werkstoffkunde.
Was mich an der ganzen Sache wundert ist, dass wir mit einem Durchgangslochgewindebohrer mit höherer Schnittgeschwindigkeit keine Probleme mit dem Span bekommen. Das kann ich mir nicht ganz erklären. Zumal der Gewindebohrer beschichtet ist.
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ZITAT
Was mich an der ganzen Sache wundert ist, dass wir mit einem Durchgangslochgewindebohrer mit höherer Schnittgeschwindigkeit keine Probleme mit dem Span bekommen. Das kann ich mir nicht ganz erklären. Zumal der Gewindebohrer beschichtet ist.
Das wäre die andere Möglichkeit den Span spröde zu machen. Was dann aber die Gefahr in sich birgt, daß der Gewindebohrer "festbackt". Der beschichtete Gewindebohrer verursacht offensichtlich so viel Reibungswärme, das der POM-Span beginnt zu "verbrennen". Verbranntes POM ist tatsächlich spröde und läßt sich leicht brechen. POM (Polyoxymethylen) beginnt sich bei Temperaturen über 230°C chemisch zu zersetzen wobei Formaldehyd frei wird. Das bringt je nach Konzentration wieder ganz andere (gesundheitliche) Probleme mit sich.
ZITAT
5. Wir reden von POM --> da is nix mit KSS (quillt unter Umständen zu stark auf)
POM wird auch unter "Delrin" gehandelt. Mag sein, daß es nach wochenlangem kochen aufquillt. Wärend der kurzen Benetzung beim Gewindeschneiden ist das jedoch recht unwahrscheinlich. Ist doch Delrin auch wegen der geringen Wasseraufnahme so beliebt im Maschinenbau.
POM wird auch unter "Delrin" gehandelt. Mag sein, daß es nach wochenlangem kochen aufquillt. Wärend der kurzen Benetzung beim Gewindeschneiden ist das jedoch recht unwahrscheinlich. Ist doch Delrin auch wegen der geringen Wasseraufnahme so beliebt im Maschinenbau.
oberfläche mit kss ist nicht so gut wie ohne. außerdem haben wir teilweise toleranzen im bereich +-0,01mm. da reicht ein bisschen quillen schon aus um ausschuss zu produzieren. also wird bei uns pom NUR trocken bearbeitet.
ps: deine werkstoffkenntnisse sind echt lobenswert, aber du erzählst / schreibst mir nix neues. wir wissen, was wir verarbeiten.
pss: ich war übrigens nicht der fragensteller. aber der meldet sich ja anscheinend nicht mehr....
oberfläche mit kss ist nicht so gut wie ohne. außerdem haben wir teilweise toleranzen im bereich +-0,01mm. da reicht ein bisschen quillen schon aus um ausschuss zu produzieren. also wird bei uns pom NUR trocken bearbeitet.
ps: deine werkstoffkenntnisse sind echt lobenswert, aber du erzählst / schreibst mir nix neues. wir wissen, was wir verarbeiten.
pss: ich war übrigens nicht der fragensteller. aber der meldet sich ja anscheinend nicht mehr....
Doch, der meldet sich War nur heute sehr beschäftigt... Wir werden mit umgeschliffenen Durchgangsgewindebohrern Morgen probieren, da erhoffe ich mir am meisten von. Ansonsten gibt's noch interessante Tips zur Trockenbearbeitung ?
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Hallo
Bohrst Du das Gewinde mit Ausgleichsfutter. Unsere Maschinen brauchen kein Ausgleichsfutter. Bei POM und Sackloch-Gewinde benutzen wir Gewindebohrer mit Rechtsdrall und Kss.Da gibt es eigentlich keine Probleme. Der Gewindebohrer hält apruppt auf der programmierten Tiefe ohne nachzulaufen. Vielleicht hilft die Info.
Bohrst Du das Gewinde mit Ausgleichsfutter. Unsere Maschinen brauchen kein Ausgleichsfutter. Bei POM und Sackloch-Gewinde benutzen wir Gewindebohrer mit Rechtsdrall und Kss.Da gibt es eigentlich keine Probleme. Der Gewindebohrer hält apruppt auf der programmierten Tiefe ohne nachzulaufen. Vielleicht hilft die Info.
Gruß Matthias
Hallo Ein Ausgleichsfutter brauch man normalerweise auch nicht. Dazu kann ich aus eigener erfahrung nur sagen das ich das nur genommen habe auf älteren Maschinen bei denen nich immer klar war ob die Spindel auf programmierter Tiefe auch stehn bleibt...hatt sicher was mit der Antriebstechnik der Spindel zu tun gehabt. Heutige Maschinen brauchen sowas nur noch in ganz seltenen Fällen.....bzw bei speziellen Anwendungen. Um aber mal beim Thema zu bleiben....wurde schon mal versucht das Gewinde zu Formen? Aber Achtung beim Formen es muß größer vorgebohrt werden....zumindest bei stahl weis ich es....wie sich POM da verhält weis ich nicht....
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@musikwelt:
Aber haben wir da nicht das Problem, das mit einem Mal ENORM viel Hitze ins Material eingebracht wird? Ich stelle mir das schwierig vor, ein Gewinde in POM zu formen...
Mir kam als Fixe Idee grade, das Material irgendwie massiv runterzukühlen vor dem Gewindeschneiden... Eisspray oder so...
War grade nur ne Schnapsidee, aber vllt. hilft es ja dem Fragesteller bei der Lösung seines Problems.
Aber haben wir da nicht das Problem, das mit einem Mal ENORM viel Hitze ins Material eingebracht wird? Ich stelle mir das schwierig vor, ein Gewinde in POM zu formen...
Mir kam als Fixe Idee grade, das Material irgendwie massiv runterzukühlen vor dem Gewindeschneiden... Eisspray oder so...
War grade nur ne Schnapsidee, aber vllt. hilft es ja dem Fragesteller bei der Lösung seines Problems.
Gruß Chris
@apex die Frage ist berechtigt...mit der Hitzeentwicklung....aber wie schon geschrieben würde ich das Kernloch zur minimierung der hitze größer machen als normal beim formen....zwei zehntel können schon viel ausmachen und dann mit den schnittgeschwindigkeiten spielen.....weil je schneller man mit dem Former ins Material geht desto mehr wirft der Former die Gänge...mal salopp erklärt... Ist alles eine reine Sache des probierens erstmal denk ich.... Ich kann dazu nur soviel sagen...das wir wenn wir bei uns in Kunststoff Gewindeschneiden (GFK,CFK; HGW und ähnliches) müssen wir immer das Kernloch mindestens 4 zehntel größer machen als normal... sonst haste da keinerlei Chance ohne Bohrerbruch davonzukommen und bei ner Platte die locker mal 200€ und mehr kostet sollte man sich das reiflich überlegen....
@apex die Frage ist berechtigt...mit der Hitzeentwicklung....aber wie schon geschrieben würde ich das Kernloch zur minimierung der hitze größer machen als normal beim formen....zwei zehntel können schon viel ausmachen und dann mit den schnittgeschwindigkeiten spielen.....weil je schneller man mit dem Former ins Material geht desto mehr wirft der Former die Gänge...mal salopp erklärt... Ist alles eine reine Sache des probierens erstmal denk ich.... Ich kann dazu nur soviel sagen...das wir wenn wir bei uns in Kunststoff Gewindeschneiden (GFK,CFK; HGW und ähnliches) müssen wir immer das Kernloch mindestens 4 zehntel größer machen als normal... sonst haste da keinerlei Chance ohne Bohrerbruch davonzukommen und bei ner Platte die locker mal 200€ und mehr kostet sollte man sich das reiflich überlegen....
Gruß Stefan
Ich glaube nicht, dass man in POM Gewinde vernünftig formen kann, ist ja kein Metall. Aber versuchen kann man alles:) Das Kernloch größer würde ich auch nicht wählen, gerade nicht bei kleinen Gewinden. Bei M3 hat man sonst schnell Gewinde die nicht normhaltig sind.